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Extensivierung kann zu intensiver Besteuerung führen

Wer nach dem 1.1.2019 seinen Landwirtschaftsbetrieb soweit extensiviert, dass er kein landwirtschaftliches Gewerbe mehr ist, sollte vor diesem Schritt die Steuerfolgen prüfen. Bei Betrieben, deren Gebäude in der Bauzone liegen, werden bei einer Extensivierung sowohl die wiedereingebrachten Abschreibungen als auch der Wertzuwachs (Differenz Landwirtschaftsland – Bauland) im Zeitpunkt des Verlustes des Gewerbestatus als Einkommen besteuert. Es gibt keine Möglichkeit, die Steuer aufzuschieben. Dies die Regeln, die im Steuerbuch des Kantons Solothurn per 1.11.2017 eingeführt wurden. Die Änderung wird mit einem neueren Bundesgerichtsentscheid begründet (BGE 2C_846/2016 vom 24. Mai 2017).

Welche Betriebe sind betroffen?

Zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehören Grundstücke in der Landwirtschaftszone, Waldgrundstücke und Grundstücke in der Bauzone, soweit darauf betriebsnotwendige Gebäude stehen, und der angemessene Umschwung. Verliert nun ein Betrieb nach dem 31.12.2018 seinen Status als landwirtschaftliches Gewerbe (Arbeitskraftbedarf sinkt auf weniger als 0.75 SAK), so ist für Grundstücke in der Bauzone die Zugehörigkeit zum Geschäftsvermögen nicht mehr gegeben und es erfolgt eine Besteuerung.

Nicht betroffen sind Betriebe, deren Grundstücke vollständig in der Landwirtschaftszone liegen. Diese können die Grundstücke weiterhin als Geschäftsvermögen weiterführen.

Wie wird besteuert?

Erfolgt die Extensivierung durch vollständige Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit, werden die wiedereingebrachten Abschreibungen besteuert. Sofern der Steuerpflichtige das 55. Altersjahr erreicht hat, hat er die Möglichkeit, den Liquidationsgewinn als Altersvorsorge privilegiert (fiktiver Einkauf und Besteuerung zum Rentensatz) besteuern zu lassen.

Wenn die selbständige Erwerbstätigkeit aufgegeben wird, der Steuerpflichtige das 55. Altersjahr aber noch nicht vollendet hat, werden die wiedereingebrachten Abschreibungen zum ordentlichen Einkommen hinzugerechnet und unterliegen somit der Einkommenssteuer.

Wenn der Betrieb weiterbewirtschaftet wird, werden sowohl die wiedereingebrachten Abschreibungen als auch der Wertzuwachs besteuert. Die wiedereingebrachten Abschreibungen werden zum Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit geschlagen. Die Differenz zwischen Anlagekosten und Verkehrswert wird mit der Grundstückgewinnsteuer erfasstn.

Beispiel

Die unterschiedliche Besteuerung soll das folgende Modell illustrieren. Die steuerlich relevante Situation präsentiert sich bei Landwirt A wie folgt:

Einkommen unselbständige Erwerbstätigkeit

60‘000.00

Einkommen selbständige Erwerbstätigkeit

20‘000.00

   

Buchwert

150‘000.00

Kumulierte Abschreibungen

200‘000.00

   

Verkehrswert Gebäude

400‘000.00

Verkehrswert Umschwung (20a à 250.00)

500‘000.00

Wenn die Überführung wegen vorgerückten Alters erfolgt, wird die Differenz zwischen Buchwert (150‘000) und Verkehrswert (900‘000) als Altersvorsorge unabhängig vom übrigen Einkommen besteuert. Ein Teil davon als fiktiver Einkauf, sofern keine ausreichenden Altersguthaben in der 2. und 3. Säule angespart sind. Der übrige Liquidationsgewinn wird zum Rentensatz besteuert.

Erfolgt die Überführung durch Extensivierung vor dem Alter von 55 Jahren und wird die Bewirtschaftung aufgegeben, so werden die kumulierten Abschreibungen zum Einkommen hinzugerechnet und besteuert. Das steuerpflichtige Einkommen – vor Abzügen – beträgt demnach 60‘000+20‘000+200‘000, also total 280‘000. Wenn der Betrieb weitergeführt wird, wird zusätzlich noch die Wertdifferenz zwischen Anlagekosten (150‘000+200‘000=350‘000) und dem Verkehrswert (900‘000), also 550‘000 als Grundstückgewinn besteuert.

Extensivierung genau prüfen

Wer sich überlegt, seinen Betrieb in den nächsten Jahren zu extensivieren, muss die steuerlichen Auswirkungen genau prüfen. Erfolgt die Extensivierung nachgewiesenermassen vor dem 1.1.2019, gilt die bisherige Regelung, und die Besteuerung erfolgt erst bei Aufgabe der Erwerbstätigkeit. Ab 1.1.2019 sollte vermieden werden, dass der Arbeitskräftebedarf durch Extensivierung unter 0.75 SAK abfällt, wenn Gebäude in der Bauzone liegen.

Die neue Regelung nach dem Steuerbuch des Kantons Solothurn wird massiven Einfluss auf die Strukturen der Solothurner Betriebe haben: steuerliche Gründe werden dazu führen, dass unrentable Betriebsstrukturen unnötig weitergeführt werden, um den Gewerbestatus nicht zu verlieren. Es stellt sich die Frage, wie weit es Aufgabe der Steuerverwaltung ist, Strukturerhaltungspolitik zu betreiben.

08.02.2018; Peter Brügger

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