Die Ernährungsinitiative schiesst weit über das Ziel hinaus und ist abzulehnen
An der Medienkonferenz des Solothurner Komitees gegen die Ernährungsinitiative vom 17. August 2026 auf dem Stüdelihof in Bellach war sich das Co-Präsidium – vertreten durch Parteien von links bis rechts, Wirtschaftsvertreter/innen sowie Bäuerinnen und Bauern des Kantons Solothurn – einig: Die Ernährungsinitiative schiesst weit über das Ziel hinaus und ist abzulehnen.
Robert Dreier, Präsident des Solothurner Bauernverbands, führte aus, dass das Ziel von 70 Prozent Selbstversorgungsgrad und die Vorstellung, wie dieses erreicht werden solle, reine Utopie seien. Ebenso utopisch sei der Gedanke, dass der Bund die Anpassungen der landwirtschaftlichen Produktion sozialverträglich ausgestalte und die Bauernbetriebe finanziell in einem solchen Ausmass zusätzlich unterstütze. Wie wir alle wissen, versuche er vielmehr bereits heute zu sparen und nehme dabei auch die Landwirtschaft ins Visier. Die Realität bei einer Annahme der Initiative wäre: Wir schwächen die einheimische Land- und Ernährungswirtschaft fundamental und damit auch die Versorgungssicherheit. Daher sei die Initiative klar abzulehnen, so Dreier.
Patrick Friker, Parteipräsident Die Mitte Kanton Solothurn und Kantonsrat, begründete das klare Nein der Mitte zur Initiative damit, dass diese auf staatliche Lenkung statt auf Eigenverantwortung setze: «Sie geht davon aus, dass Politik und Verwaltung besser wissen, was produziert und konsumiert werden soll. Ich halte das für einen grundsätzlichen Irrtum. In einer freien Gesellschaft sollen die Menschen selbst entscheiden können, wie sie sich ernähren möchten. Nachhaltigkeit entsteht durch Überzeugung und Innovation – nicht durch immer neue politische Vorgaben.»
Für Christian Imark, Nationalrat SVP, ist klar, dass die Versorgungssicherheit auf unseren Feldern und in unseren Ställen entsteht – dank einer verlässlichen Agrar- und Ernährungspolitik: «Sie entsteht dort, wo Lebensmittel verarbeitet und produziert werden. Wer die inländische Produktion und damit auch die nachgelagerten Branchen schwächt, macht die Schweiz abhängiger vom Ausland. Wer die einheimische Land- und Ernährungswirtschaft mit immer neuen Vorgaben belastet, gefährdet genau jene Betriebe, die unsere Versorgung sichern. Wir brauchen mehr Vertrauen in die Produzenten und weniger statt mehr staatliche Bevormundung. Dafür braucht es eine starke einheimische Landwirtschaft und motivierte Bauernfamilien – keine unsinnigen Experimente. Darum sagen wir Nein zu dieser Vegan-Zwang-Initiative», führte Imark weiter aus.
Für Hardy Jäggi, Co-Präsident SP Kanton Solothurn und Kantonsrat, ist die Initiative sozial ungerecht, weshalb er sie ablehnt: «Wenn Lebensmittel teurer werden, trifft das nicht alle gleich. Es trifft zuerst jene Menschen, die bereits heute mit steigenden Krankenkassenprämien, höheren Wohnkosten und wachsender finanzieller Belastung kämpfen. Eine nachhaltige Ernährung darf nicht zum Privileg für Gutverdienende werden. Wer ökologische Ziele verfolgt, muss immer auch die soziale Realität der Menschen berücksichtigen.»
Sieglinde Jäggi, Co-Präsidentin des Solothurner Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, ist überzeugt, dass die Ernährungsinitiative den politischen Einfluss auf Angebot und Konsum deutlich vergrössern würde: «Das betrifft nicht nur die abstrakte Agrarpolitik, sondern ganz konkret unseren Alltag im Laden. Wenn Produkte teurer oder schwerer erhältlich werden, spüren das Familien sofort. Nachhaltigkeit ist wichtig, aber sie muss mit Wahlfreiheit vereinbar bleiben.»
Sarah Koch, Geschäftsleiterin KMU- und Gewerbeverband Kanton Solothurn (KGV SO) , führte aus, dass für das Gewerbe Folgendes entscheidend sei: «Nachfrage entsteht nicht durch politische Vorgaben. Sie entsteht bei den Kundinnen und Kunden durch Wissen, durch Bildung, das Elternhaus oder schlicht durch eigene Wertvorstellungen und persönliche Prioritäten. Unsere Unternehmen reagieren jeden Tag darauf – sie müssen darauf reagieren. Restaurants erweitern ihr vegetarisches und veganes Angebot, Produzenten entwickeln neue Lebensmittel, Detailhändler passen ihre Sortimente an. Gleichzeitig gibt es weiterhin eine grosse Nachfrage nach Schweizer Fleisch, Käse, Milchprodukten und anderen tierischen Produkten. Die Ernährungsinitiative zerstört dieses eigenverantwortliche und marktausgerichtete Handeln der gesamten Ernährungswirtschaft sowie der Konsumentinnen und Konsumenten. Daher lehnt der KGV SO die vorliegende Initiative klar ab.»
Für Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer und Kantonsrat FDP, ist klar, dass es für die Versorgungssicherheit eine starke Wirtschaft und keine staatliche Ernährungslenkung braucht: «Mit der Initiative müsste der Staat vorschreiben, was produziert, verarbeitet, angeboten und letztlich konsumiert wird. Das halten wir für den falschen Weg. Zudem sind die Schweizer Wirtschaft und die Lebensmittelversorgung international stark vernetzt. Diese Handelsbeziehungen sind ein wichtiger Teil unserer Versorgungssicherheit. Ein verbindlicher Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent lässt sich nicht losgelöst von internationalen Handelsbeziehungen betrachten. Im Weiteren investieren unsere Unternehmen bereits heute in ressourcenschonende Verfahren, neue Technologien, Kreislaufwirtschaft und innovative Produkte. Wir wollen eine sichere Lebensmittelversorgung, eine nachhaltige Produktion und den Schutz unserer natürlichen Ressourcen. Aber wir wollen diese Ziele mit Innovation, Wettbewerb und Eigenverantwortung erreichen – nicht mit staatlicher Ernährungslenkung. Daher lehnen wir die Ernährungsinitiative ab.»
Christof Schauwecker, Kantonsrat Grüne und Agronom: «Um 70 Prozent Ernährungssicherheit zu erreichen, müssten wir eine neue Anbauschlacht starten und jeden Quadratmeter mehr oder weniger ackerfähiges Land für die Lebensmittelproduktion nutzen. Die Flächen im Mittelland zur Förderung der Biodiversität – wo blieben sie? Als Agronom störe ich mich zudem daran, dass die Nutztierhaltung mit der Initiative generell in Frage gestellt wird. Nutztiere sind ein Bestandteil von geschlossenen Nährstoffkreisläufen und peripheren Räumen. Ohne unsere grasfressenden Kühe, Schafe oder Ziegen können wir mehr als zwei Drittel unserer Landwirtschaftsflächen, vor allem im Hügel-, Berg- und Alpgebiet, nicht für die menschliche Ernährung nutzen. Ohne Nutzung verbuschen und verwalden diese. Wertvolle und vielfältige Kulturlandschaften und damit Lebensräume für Pflanzen und Tiere gingen verloren.»
Sabrina Weisskopf, Präsidentin FDP Die Liberalen Kanton Solothurn: «Diese Initiative will nicht einfach mehr Schweizer Gemüse. Sie will, dass am Ende der Staat mitbestimmt, was auf dem Teller der Menschen landet. Heute entscheidet jede und jeder selbst, ob es am Morgen ein Ei gibt, ob Käse oder Wurst aufs Brot kommt oder abends ein Stück Fleisch auf den Tisch. Um ihre Ziele zu erreichen, müsste der Bund über zehn Jahre hinweg Produktion und Konsum gezielt in die gewünschte Richtung lenken. Das ist kein Detail der Agrarpolitik, sondern betrifft ganz konkrete Entscheidungen im Alltag der enschen. Darum sage ich Nein zu dieser Initiative: Was auf den Teller kommt, entscheiden die Menschen selbst – nicht der Staat»
17.08.2026 / SOBV


