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Rund 96 % aller Rehkitze werden im Mai oder Juni gesetzt. Dabei bringen Rehgeissen ihre Kitze bevorzugt im hohen Gras von Wiesen und Waldrändern zur Welt. In den ersten Lebenswochen bleiben die Kitze regungslos liegen und drücken sich bei Gefahr instinktiv auf den Boden – weshalb sie beim Mähen besonders gefährdet sind. Die anstehende Schönwetterperiode macht das Thema Rehkitzrettung besonders aktuell. Die frühzeitige Planung der Rehkitzrettung ermöglicht Jägern und Jägerinnen die Parzellen gründlich nach Kitzen abzusuchen und sie vor dem Mähtod zu bewahren.

Das natürliche Verhalten der Rehkitze

Der angeborene Drückinstinkt veranlasst die Rehkitze, sich bei Gefahr ganz still zu verhalten und an den Boden zu pressen. Nach zwei bis drei Lebenswochen schwindet dieser Instinkt. Dennoch verlassen sich die Rehkitze immer noch auf ihre gute Tarnung und springen erst auf, wenn die Gefahr auf wenige Meter herangekommen ist. Zu spät also, um sich vor einer schnell herankommenden Landmaschine, wie einem Mähwerk, in Sicherheit zu bringen.

Rehkitze vor dem Mähen auffinden

Um Rehkitze vor dem Mähwerk zu retten, empfiehlt es sich, die Flächen vorgängig abzusuchen und Kitze in Sicherheit zu bringen. Herkömmliche Methoden zur Rehkitzrettung (vertreiben mit Scheuchen und Duftstoffen, suchen mit Menschenketten) sind sehr zeitintensiv und nicht immer erfolgreich. So wurde beobachtet, dass sich sehr junge Rehkitze (< 1 Woche alt) nicht vertreiben lassen und sich ängstliche Geissen ca. drei Tage selber nicht mehr in ein verblendetes Feld trauen. Da es aber mehr mutige als ängstliche Geissen gibt, empfiehlt sich dennoch das sogenannte Verblenden (= aufstellen von Scheuchen im Feld) und Verwittern (= verbreiten von unangenehmem/Gefahr signalisierendem Geruch im Feld).

Sicherer und effektiver als die herkömmlichen Methoden zur Rehkitzrettung ist die Suche mit Wärmebildkamera und Multikopter (Drohne) aus der Luft. Hierbei fliegt das Fluggerät die zu mähenden Wiesen, über einen Autopiloten gesteuert, ab und macht dabei einen Thermalfilm. Die Überlappung der Bahnen ist so gewählt, dass das Rehkitz auf dem Hin- und Rückweg erfasst wird. Die Bilder werden in Echtzeit auf einen Bildschirm am Boden übertragen, worauf die Kitze aufgrund ihrer Körpertemperatur als helle Flecken in der dunklen Wiese erkennbar sind. Mit dem Multikopter wird vor allem in den frühen Morgenstunden gesucht, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Rehkitz und Umgebung möglichst gross ist. Somit stehen nur wenige Stunden für die Suche zur Verfügung. Folglich können meist nur eine begrenzte Anzahl Felder mit dem Multikopter abgesucht werden.

Frühzeitige Meldung durch den Ladwirten oder die Landwirtin ist wichtig

Aufgrund des kurzen Zeitfensters für Flüge in den frühen Morgenstunden spielt die Planung eine zentrale Rolle. Erschwerend kommt hinzu, dass meistens alle gleichzeitig mähen wollen und somit viele Flächen an verschiedenen Standorten zu überfliegen sind. Eine frühzeitige Anmeldung der Rehkitzsuche lohnt sich daher, damit möglichst viele Flächen mit der effektiven Methode, dem Multikopter mit Thermalkamera, abgesucht werden können. Die Flächen können über die Website Rehkitzrettung.ch erfasst oder direkt dem zuständigen Jagdverein gemeldet werden. Bei Fragen zum Thema steht ebenfalls der örtliche Jagdverein zur Verfügung.

21.05.2026 / Adrian Kohler

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