Übung Bekämpfung Afrikanischen Schweinepest
Der Kanton Solothurn übt vom 11. bis 18. Juni 2026, involviert in der Übung CONEX SO 2026, einen Seucheneintrag in die Wild- und Hausschweinpopulation im Schwarzbubenland bei Büsserach und bei Mariastein, gleichzeitig mit einem Ausbruch im Kanton Basel-Landschaft.
Die Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen ist ein kontinuierlicher Prozess. Neue Seuchen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und veränderte Rahmenbedingungen machen regelmässige Überarbeitungen und Anpassungen der Handbücher und Einsatzkonzepte erforderlich.
Eine erfolgreiche Tierseuchenbekämpfung ist nur gemeinsam mit Partnern möglich. Der Veterinärdienst steht im Auftrag des Regierungsrates und ist auf die enge Zusammenarbeit mit den Landwirten, dem Amt für Militär und Bevölkerungsschutz (AMB), dem Zivilschutz, den Jägern, den Förstern sowie zahlreichen weiteren Partnerorganisationen angewiesen.
Bis vor rund zehn Jahren galt der europäische Kontinent – und insbesondere die Schweiz – als nahezu paradiesisch in Bezug auf Tierseuchen. Entsprechend verfügten viele Kantone, darunter auch der Kanton Solothurn, bis 2015 über kein umfassendes und praxistaugliches Konzept zur konkreten Bekämpfung einer grösseren Nutztierseuche.
Im Rahmen seiner Risikoanalyse identifizierte der Kanton Solothurn in den Jahren 2016/2017 Tierseuchen als relevante Bedrohung. In der Folge erhielt der Veterinärdienst Solothurn den Auftrag, ein anwendbares Konzept für die Bekämpfung einer Tierseuche im Kanton zu erarbeiten. Der damalige Leiter Tierseuchen, Otto Maissen, entwickelte gemeinsam mit Marco Jäggi die Handbücher SCHERTIE (SCHadensEReignis TIer). Darin wurde erstmals detailliert beschrieben, wie eine Tierseuche auf einem Nutztierbetrieb unter Einbezug von Landwirten, Zivilschutz und weiteren Partnerorganisationen wirksam bekämpft werden kann.
Mit der Grossübung SCHERTIE 19 wurden die erarbeiteten Konzepte und Handbücher erfolgreich überprüft und validiert.
Bereits während der Erarbeitungsphase der SCHERTIE-Unterlagen zeichnete sich jedoch eine neue Herausforderung ab: die Afrikanische Schweinepest (ASP) beim Wildschwein. Im Gegensatz zu den klassischen Nutztierseuchen betrifft die ASP Wildschweine im Wald und in den Feldern und bedroht von dort aus die Hausschweine. Dies verändert die Ausgangslage grundlegend. Wildschweine gehören keinem Landwirt, verfügen über keinen festen Standort und halten sich weder an Gemeinde-, Kantons- noch Landesgrenzen. Sie leben in kleinen Rotten, sind über grosse Gebiete verteilt und nur schwer lokalisierbar.
Auch die Bekämpfung einer solchen Seuche unterscheidet sich wesentlich von jener auf einem Nutztierbetrieb. Es gibt keine Tierhalter, die ihre Tiere kennen und bei den Massnahmen unterstützen können. Stattdessen sind neue Partner gefragt: Försterinnen und Förster mit ihrer Kenntnis des Waldes, Jägerinnen und Jäger mit ihrem Wissen über die Aufenthaltsorte der Wildschweine sowie Drohnenpilotinnen und -piloten zur Suche nach lebenden und verendeten Tieren. Zusätzlich kommen speziell ausgebildete Suchhunde zum Einsatz, welche Kadaver aufspüren können. Während sich die Bekämpfung einer Nutztierseuche häufig über Wochen erstreckt, muss bei der ASP mit Einsätzen über Monate oder sogar Jahre gerechnet werden.
Die Tierseuchenbekämpfung bei Wildtieren unterscheidet sich somit grundlegend von den im Rahmen von SCHERTIE entwickelten Konzepten für Nutztierhaltungen. Deshalb musste auf der bestehenden Grundlage ein neues, deutlich komplexeres Konzept entwickelt werden. Dabei muss jedoch nicht jeder Kanton das Rad neu erfinden.
Die Kantone tauschen sich untereinander sowie mit dem «Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen» (BLV) intensiv aus und erarbeiten gemeinsam fachliche Grundlagen. Zudem sind sie in regionalen Verbünden organisiert, in denen Erfahrungen und Erkenntnisse laufend geteilt werden.
Trotz dieser Zusammenarbeit muss jedes Konzept an die spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Kantons angepasst werden. Die organisatorischen Strukturen, Zuständigkeiten und verfügbaren Ressourcen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton teilweise erheblich, weshalb auch die Abläufe individuell ausgestaltet werden müssen.
Mit der Übung CONEX SO 2026 werden nun die Handbücher der «ASP-Wildschwein» validiert und die Seuchenbereitschaft überprüft. Der Veterinärdienst Solothurn dankt allen beteiligten Partnerinnen und Partnern herzlich für ihre bisherige Unterstützung, ihre wertvolle Zusammenarbeit und ihr grosses Engagement. Ohne gemeinsame Anstrengung ist eine Tierseuchenbekämpfung nicht möglich.
18.06.2026 / Chantal Ritter, Amtstierärztin Veterinäramt Solothurn


