Unfaire und realitätsfremde Initiativen

An der DV des Solothurner Bauernverbandes (SOBV) wurde unmissverständlich erörtert, dass die Trinkwasser- und Pestizidinitiativen keine Lösungen bieten – weder für die Gesellschaft noch für die Landwirtschaft.

Bauernsekretär Peter Brügger und der Präsident des SOBV, Andreas Vögtli, wählten klare Worte für die im November 2020 zur Abstimmung gelangenden Trinkwasser- und Pestizidinitiativen. Diese seien an Unfairness nicht zu überbieten und die Verknüpfung zwischen Einsatz von Pflanzenschutzmittel und den Direktzahlungen sei eine grobe Verletzung der Einheit der Materie, welche in der Politik eigentlich zentral ist, so Brügger. Dies vor allem, weil mit dieser radikalen Haltung auch ausgeschlossen wird, dass andere sehr wichtige Leistungen der Landwirtschaft im Bereich Biodiversität und Nachhaltigkeit abgegolten werden. Dies bedeute nichts anderes als Zechprellerei. Der unverhältnismässige Druck auf die Pflanzenschutzmittel und die Landwirtschaft zeigt bereits jetzt seine Wirkung. Vögtli wies auf einen grossen, landschaftsprägenden Hochstammobstgarten im Schwarzbubenland hin, welcher nun gerodet wird, weil mit dem Fehlen von geeigneten Pflanzenschutzmitteln und dem hohen Druck von Schädlingen, bedingt auch durch den Klimawandel, eine nachhaltige Bewirtschaftung dieser Kultur schlicht nicht mehr möglich ist. Auch wies Vögtli darauf hin, dass viele Akteure ausserhalb der Landwirtschaft sehr viele chemische Stoffe einsetzen, welche in die Umwelt und in die Wasserversorgungen gelangen; dies werde aber in der aktuellen Berichterstattung kaum erwähnt. Nur die Bauern würden dauernd und zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Weiter führten die Referenten ins Feld, dass die Erwartungen der Konsumenten an die Produkte und die Lebensmittelvorschriften den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordern, im biologischen- integrierten und konventionellen Landbau. Niemand will Äpfel mit Schorf, faule Kartoffeln oder Maden in den Kirschen. Verglichen mit dem Ausland sind die Gesetze für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln schon heute viel höher. Die angedachte massive gesetzliche Verschärfung in der Schweiz würde dazu führen, dass der Import von stärker belasteten Lebensmitteln klar zunehmen würde. Das sei kontraproduktiv und entspreche auch nicht dem eigentlichen Wunsch der Konsumenten und auch nicht der Stossrichtung der Trinkwasserinitiative.

Landwirtschaft bewegt sich

Vögtli und Brügger zeigten an der Delegiertenversammlung auch auf, dass die Bäuerinnen- und Bauern schon heute sehr umsichtig mit den Pflanzenschutzmitteln und dem Einkauf von Viehfutter umgehen. Und die Landwirtschaft sei sehr interessiert an alternativen Anbaumethoden und Pflanzenzüchtungen, welche den Hilfsstoffeinsatz stark reduzieren oder diesen nicht mehr nötig machen und setzen diese Massnahmen auch rege um. Auch beteiligt sich der SOBV an verschiedensten Projekten wie beispielsweise am Rheinau-Getreidessortenpraxisversuch. Dabei werden neue, trockenheitsresistentere Getreidesorten auf ihre Anbaueigenschaften auf Betrieben im Kanton Solothurn getestet. Gastreferent Andreas Keiser, HAFL Zollikofen, stellte an der DV die Entwicklung von neuen Technologien vor, welche die Landwirtschaft beim Anbau von Kulturen so unterstützen, dass Pflanzenschutzmittel und andere Hilfsstoffe viel gezielter zum Einsatz gelangen und die Mengen um ein Vielfaches reduziert werden können. Er zeigte aber auch die Grenzen dieser Technologien auf und erläuterte, dass der breite Einsatz noch einige Entwicklungsarbeit und -zeit beanspruchen würde.

Wir schützen, was wir lieben

Martin Rufer, neuer Direktor des Schweizer Bauernverbandes (SBV), stellte in seinem Grusswort die Abstimmungskampagne gegen die Trinkwasser- und Pestizidinitiative kurz vor. Der Slogan „Wir schützen, was wir lieben“ sei treffend für die Arbeit der Schweizer Bäuerinnen und Bauern und wiederspiegle deren nachhaltige Wirtschaftsweise. Der SBV werde in Zusammenarbeit mit vielen anderen Akteuren die schädlichen Initiativen bekämpfen und die negativen Folgen für Gesellschaft und Landwirtschaft klar aufzeigen. Er appellierte an alle Bäuerinnen und Bauern, aktiv mitzumachen und die Zukunft mit Berufsstolz zu gestalten.

Frau Landammann, Regierungsrätin Brigit Wyss dankte den Solothurner Bäuerinnen und Bauern und dem Solothurner Bauernverband für ihre Arbeit und die gute Zusammenarbeit. Sie führte ins Feld, dass die Agrarreform AP 22+ wieder viele Neuerungen bringen werde und es für den Bauernstand sicher nicht einfacher werde. Sie sicherte von Seiten des Kantons Unterstützung auch in Form von Projekten zu und versicherte, dass die kantonale Behörde ihren Spielraum in Agrarbereich zu Gunsten der Landwirtschaft nutzen werden.

 

Sieglinde Jäggi aus Seewen vertritt neu den Solothurnischen Bäuerinnen und Landfrauenverband im Vorstand des SOBV.                                                      (Bild SOBV)

 

Die statutarischen Geschäfte gaben zu keinen Diskussionen Anlass. Der Jahresbericht wie auch die Jahresrechnung und das Budget wurden einstimmig angenommen. Als Nachfolgerin für das zurückgetretene Vorstandsmitglied Rita Hänggi wählten die Delegieren Sieglinde Jäggi aus Seewen. Sie vertritt in Zukunft den Solothurnischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband im Vorstand des Solothurner Bauernverbandes.

27.02.2020; Edgar Kupper

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