Aktuelles aus dem Feldbau KW 22
Das warme und wechselhafte Wetter begünstigt und beschleunigt die Entwicklung verschiedener Krankheiten und Schädlinge. Feldkontrollen sollten deshalb nicht vernachlässigt werden.
Blattläuse in Ackerkulturen
Es gibt unterschiedliche Blattlausarten, welche in Ackerkulturen auftreten. In Kulturen wie Zucker-rüben oder (Saat-)Kartoffeln können Blattläuse Viren übertragen und so zu Ertrags- und Qualitäts-einbussen führen. Deshalb gilt dort ein strenges Überwachungs- und Bekämpfungsregime. In Kul-turen wie Getreide oder Eiweisserbsen führen Blattläuse in der Regel nicht zu grossen Schäden. Bei diesen Kulturen sind die Bekämpfungsschwellen entsprechend höher angesetzt und werden nur selten überschritten.
In den letzten Wochen haben sich Blattlauskolonien in diversen Kulturen aufgebaut. Dies lockt mit einer zeitlichen Verzögerung auch Nützlinge wie Marienkäfer ins Feld. Die Larven und auch die adulten Marienkäfer sowie die Larven weiterer Nützlinge leisten einen wichtigen Beitrag zur natür-lichen Bekämpfung der Blattläuse.
Eine verfrühte Blattlausbekämpfung – auch mit nützlingsschonenden Präparaten – kann dazu füh-ren, dass den Nützlingen die Nahrungsgrundlage entzogen wird und sich keine Nützlingspopulation aufbauen kann. Dies führt wiederum dazu, dass sich eine neue Generation Blattläuse problemlos etablieren kann, da die natürlichen Gegenspieler fehlen. Im schlimmsten Fall führt dieses Ungleich-gewicht dazu, dass die Schädlingsproblematik erhöht wird.
Wenn eine Behandlung trotz aller Umstände und nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle nicht zu vermeiden ist, können Blattläuse auch mit einer reduzierten Dosis Pirimicarb (50-80 g/ha anstatt 150 g/ha) behandelt werden. Mittel mit diesem Wirkstoff sind nützlingsschonend und füh-ren bei reduzierter Dosis dazu, dass ein Teil der Blattläuse überlebt und als Nahrung für die Nützlin-ge zurückbleibt.
Fusarienrisiko im Weizen abschätzen
Der Weizen ist verbreitet in der Blüte. Während dieser Zeit ist der Weizen anfällig auf eine Fusari-eninfektion. Das Infektionsrisiko ist dann erhöht, wenn es während der Blüte regnet. Weitere be-fallsfördernde Faktoren sind der Anbau von Weizen nach Mais bei pflugloser Bodenbearbeitung sowie der Anbau anfälliger Sorten. Mit dem Prognosemodel www.fusaprog.ch von Agroscope kann das Infektionsrisiko parzellenspezifisch berechnet werden. Ein Fungizideinsatz gegen Fusarien ist nur bis zum Ende der Blüte (DC 69) erlaubt.
Kartoffeln – intensiv überwachen
Bis zur Mitte dieser Woche konnte sich die Krautfäule nicht mehr so stark ausbreiten. Für die Sporulation befallener Pflanzen sowie die Infektion von neuem Kraut war die relative Luftfeuchtig-keit wegen dem trockenen Boden und den fehlenden Niederschlägen meist zu tief. Zudem liess der anhaltende Wind kaum Taubildung zu, so dass das vorhandene Kraut stets schnell abtrocknen konnte. Da die Temperaturen nicht hoch genug waren, um den Pilz im Blatt abzutöten, kann sich dieser mit wiederkehrender Feuchtigkeit in einer befallenen Pflanze weiterentwickeln und bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit (> 90%) Sporen freisetzen. Mit dem bereits gefallenen und noch vorausgesagten Regen dürfte die Infektionsgefahr in allen Anbauregionen wieder ansteigen. Mel-den Sie neue Befälle nach wie vor bei der kantonalen Pflanzenschutzfachstelle oder direkt bei Phy-toPRE, Tel. 058 468 72 39, www.phytopre.ch.
Für den Schutz der Kartoffeln stehen verschiedene Fungizide mit unterschiedlicher Wirkung zur Verfügung. Systemische Fungizide dringen in die Pflanze ein und schützen auch den Neuzuwachs bis zur nächsten Behandlung. Diese Mittel sollten vor allem bei den ersten Behandlungen einge-setzt werden, wenn sich die Kartoffelstauden im Wachstum befinden. Bei einem Befall im Umkreis von 20 km sollte wegen Resistenzgefahren auf systemische Mittel verzichtet werden. In diesem Fall kommen Kontaktfungizide und teilsystemische Mittel mit abstoppender und sporenabtötender Wirkung zum Einsatz. Kontaktfungizide bilden eine Schutzschicht auf der Blattoberfläche und hin-dern einfliegende Sporen am Keimen auf dem Blatt. Teilsystemische Fungizide dringen in die Blät-ter ein und schützen auch die Blattunterseite. Der Schutz der Fungizide hält je nach Mittel, Nieder-schlagsmenge und Infektionsdruck fünf bis zehn Tage und muss regelmässig erneuert werden. Achten Sie beim Einsatz der Fungizide auf die maximale Anwendungshäufigkeit einzelner Produkte.
Bildlegende: Adulter Marienkäfer und dessen Larve bei der natürlichen Blattlausbekämpfung
02.06.2022 / Gaetano Mori, Bildungszentrum Wallierhof


