Aktuelles aus dem Feldbau KW 24
Wettertechnisch ist das Jahr bis jetzt eine grosse Herausforderung und voller Extreme. Nach dem regenreichen Frühjahr, welches viele Saaten verzögert oder verunmöglicht hat, ist es nun seit über drei Wochen trocken mit sommerlichen Temperaturen. Dazu kommt der ständige und zusätzlich die Böden austrocknende Biswind. Dadurch ist es an vielen Orten bereits schon wieder viel zu trocken und die Kulturen wachsen schlecht oder laufen schlecht auf. Zu Beginn dieser Trockenphase waren alle froh, konnte doch bei besten Bedingungen das Heu eingebracht und die verzögerten Feldarbeiten endlich nachgeholt werden. Auch der Krankheitsdruck wurde durch die Trockenheit extrem gesenkt. Jetzt allerdings wäre ein wenig Niederschlag ein Segen. Regen, ausgenommen sind einzelne regionale Gewitterereignisse, ist aber nicht in Sicht. Somit freut es die Schädlinge, diese haben nun Hochkonjunktur, allen voran der Kartoffelkäfer.
Kartoffeln
Die letzten Kartoffeln wurden wohl selten erst im Juni gesetzt. Man darf gespannt sein, wie sich diese entwickeln. Bei den Kartoffelkäfern kann man von einer Invasion sprechen. Solch einen massiven Befall hat man selten gesehen. Die Kantonalen Pflanzenschutzdienste haben reagiert und geben für die Bekämpfung direkt auch Sonderbewilligungen für das Mittel Coragen heraus. Dieses hat eine lange Wirkungsdauer und bekämpft neben Larven und Adulten auch die Eier. Bei gleichzeitigem Auftreten der Blattläuse wird auch eine Bewilligung für Mittel mit dem Wirkstoff Acetamiprid (Gazelle, Pistol oder Oryx Pro) erteilt. Notabene sind die Voraussetzungen für den Einsatz dieser Mittel, dass die Schadschwellen überschritten sind. Die Krautfäule ist nicht mehr ganz so ein Thema. Allerdings müssen die Kartoffeln, sofern man dafür eingerichtet ist, jetzt schon bewässert werden, was die Krautfäule wiederum begünstigt. Der Fungizidschutz muss entsprechend aufrecht erhalten werden. Auch die Alternaria wird bei den weiter entwickelten Beständen und aufgrund der gestressten Bestände nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Zuckerrüben
Die Rüben sind total unterschiedlich weit in der Entwicklung, teilweise sind die Reihen schon geschlossen und einzelne Bestände sind sehr weit in der Entwicklung. Vor allem Convisio-Rüben sind gut entwickelt, da bei ihnen der Herbizidstress weniger zum Tragen kommt als bei konventionellen Herbizid-Splitbehandlungen.
Die Bekämpfung der grünen Pfirsichblattläuse muss bis zum 10-Blattstadium gewährleistet sein, danach ist die Gefahr der virösen Vergilbung gebannt. Erste Cercospora-Flecken werden wohl auf Risikostandorten (Rübenparzelle grenzt an letztjährige Rübenparzelle oder Rübenhaufen, liegt in Muldenlagen oder am Wasser) schon ab nächster Woche und gegen Ende Juni zu erwarten sein. Bislang wurden aber noch keine Cercospora-Blattflecken entdeckt. Aktuelle Blattflecken (dunkler Rand) auf den Rübenblättern, sind allesamt bakterieller Herkunft, hervorgerufen durch Pseudomonasbakterien. Diese treten insbesondere nach starken Gewitterregen auf, die Verletzungen am Blattapparat hervorrufen. Solche Flecken können nicht behandelt werden, sind überdies harmlos und nicht ertragsmindernd.
Erdmandelgras ist nun aufgelaufen
Bei Verdachtsfällen melden sie sich bitte beim kantonalen Pflanzenschutzdienst, damit eine fachlich korrekte Bekämpfung ohne Risiko einer Verschleppung besprochen werden kann. In vielen Kantonen gibt es sogar eine Meldepflicht, teilweise sogar eine Bekämpfungspflicht.
15.06.2023 / Andi Distel, Pflanzenschutzdienst, Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg


