Aktuelles aus dem Feldbau KW 27
04.07.2024 09:00
Die Getreideernte steht vor der Tür oder ist bereits in vollem Gange. Für diejenigen, die noch nicht geplant haben, gilt es sich die Frage zu stellen, was auf geernteten Parzellen als nächstes passiert –ein besonderes Augenmerk sollte dabei immer auf den Boden gerichtet und eine Verbesserung der Bodenstabilität angestrebt werden.
Unterboden schonen
Durch die herausfordernden Bedingungen aufgrund des immer wiederkehrenden Regens ist die Befahrbarkeit der meisten Böden noch nicht gegeben. Das Bodenmessnetz.ch gibt Auskunft über die Befahrbarkeit. Auch wenn der Oberboden (meist 20-30 cm tief) trocken oder befahrbar scheint, gilt dies nicht für die darunterliegenden Schichten. Der sogenannte Unterboden trocknet weniger schnell ab und bleibt lange nass. Besonders für die anschliessende Bodenbearbeitung gilt es, den Unterboden nicht zu stark zu strapazieren. Wird der Unterboden verdichtet, kann es jahrelange Ertragsreduktionen zur Folge haben. Zudem erhöht sich auch das Risiko für Erosion, da das Wasser nicht mehr versickern kann und oberflächlich abfliessen muss. Verdichtungen im Unterboden lassen sich zudem nicht oder nur sehr langsam wiederherstellen. Zum einen sind dort fast keine Bodenlebewesen vorhanden, welche die Verdichtungen auflockern könnten, zum anderen ist eine maschinelle Lockerung in dieser Tiefe energieintensiv und schwieriger als eine Lockerung des Oberbodens. Eine schonende Bodenbearbeitung mit Mulch- oder Direktsaat kann helfen, den Unterboden zu schützen.
Erosion vermeiden und Bodenstabilität verbessern
In Folge des vielen Regens waren zudem auf vereinzelten Parzellen Erosion und/oder Verschlämmung erkennbar. Ein wichtiger Einfluss auf die Bodenstabilität hat Humus. Humus ist totes organisches Material und kann zusammen mit Tonmineralien Komplexe bilden, welche den Boden stark zusammenhalten. Gelangt viel Luft und somit auch Sauerstoff in den Boden, wird Humus abgebaut. Daher eignen sich Bodenbearbeitungsgeräte, die den Boden nicht intensiv bearbeiten, sehr gut für die Humuserhaltung. Noch besser für die Humuserhaltung ist das Verzichten auf die Bearbeitung und ein Direktsaatsystem in der Fruchtfolge zu etablieren. Als Faustregel sollte der Gehalt an organischer Substanz ca. 1.7 % pro 10 % Tongehalt betragen. Humus kann mithilfe von Hofdüngern, Gründüngungen, Kompost, Untersaaten oder Ernterückständen gefördert werden. Da Humus- sowie Tonteilchen negativ geladen sind, benötigt es für die Bildung der Komplexe positiv geladene Teilchen. Einer der Hauptbindungspartner ist Kalzium, welches mittels einer Kalkdüngung in den Boden gebracht werden kann. Für neutrale bis leicht saure Böden (pH 6-6.5) kann – wo noch nicht passiert – über eine Erhaltungskalkung nachgedacht werden. Für pH-Werte unter 6 sollte nach der Getreideernte oder vor der nächsten Ansaat im Herbst eine Aufkalkung passieren.
Zwischenfrüchte für die Gesundheit des Bodens
Nach der Ernte stellt sich die Frage, was kommt nun? In einem Jahr wie diesem scheint der Erhalt des Wassers im Boden alles andere als notwendig. Da die Wassererhaltung allerdings nicht der einzige Vorteil ist, gilt es trotzdem – wenn die Konditionen es zulassen – den Boden schnell wieder zu bedecken. Zwischenfrüchte haben unterschiedliche Vorteile. Für Viehbetriebe liegen natürlich Klee-Gras-Mischungen nahe, da diese wertvolles Futter liefern. Gründüngungen sind dafür meist diverser in der Artenzusammensetzung, hitze- und trockenheitstoleranter und durchwurzeln den Boden in unterschiedlicher Tiefe, was die Bodenstruktur und die biologische Aktivität fördert. Des Weiteren unterdrücken Zwischenkulturen Unkräuter und schützen vor Erosion und Nährstoffauswaschung, was in niederschlagsreichen Jahren besonders wichtig ist. Zwischenfrüchte mit einem hohen Leguminosenanteil bringen Stickstoff in den Boden, wodurch je nach Pflanzenart und Stärke des Wachstums 20-50 kg N/ha der Folgekultur zur Verfügung stehen können. Um möglichst viel Stickstoff im Boden zu speichern, empfiehlt es sich, die Zwischenkultur vor respektive während der Blüte zu mulchen oder oberflächlich einzuarbeiten. Nach der Blüte endet die Aufnahme von Stickstoff und die Pflanzen verholzen. Aufgrund des dadurch entstehenden Kohlenstoffeintrages in den Boden kann dies zu einer Stickstoffblockade bei der Folgekultur führen. Die Wahl der Zwischenfrucht hängt also vom zum erreichenden Ziel ab und muss von Betrieb zu Betrieb sorgfältig überdacht werden. Eine gut geführte Zwischenkultur mit von Anfang an klar definiertem Ziel kann einen gleichen Stellenwert erhalten wie eine Hauptkultur.
04.07.2024/ Micha Wyss, BZ Wallierhof


