Aktuelles aus dem Feldbau KW 36
Raps
Die Raps-Erdflöhe wandern nun wieder in die Rapsfelder ein. Das kann sich von der Rapssaat bis über den ganzen Winter hinziehen, abhängig von milden Temperaturen. Die Käfer machen an den jungen Rapspflanzen einen 10-14 tägigen Reifungsfrass mit den charakteristischen Löchern. Je nach Stärke bzw. Anzahl frühzeitig zugewanderter Käfer erfordert der Blattfrass zügige Bekämpfungsmassnahmen. Der Erdfloh bevorzugt vor allem kleine und schwache Pflanzen. Die jungen Rapspflanzen haben momentan aber sehr gute Wuchsbedingungen, der Boden ist schön warm und noch ist genügend Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten vorhanden – die Pflanzen sind also gut im Schuss und im Wuchs nicht gehemmt. Frassschäden an jungen Pflanzen dürfen aktuell also nicht überbewertet werden. Sie sehen dramatisch aus, werden aber oft überbewertet. Erst wenn der Raps keinen Wuchs mehr zeigt bzw. Keimlinge von Totalausfall bedroht sind, muss bekämpft werden. Die Schadschwelle liegt im Keimblattstadium (DC 10) bei 50% der Pflanzen mit mehreren Frassstellen und mehr als 25% Blattflächenverlust!
Üblicherweise werden durch die Larven die grossen Schäden verursacht. Die Käfer legen nach dem Reifungsfrass ihre Eier in den Boden nahe der Pflanzen ab. Die daraus schlüpfenden Larven bohren sich in die Blattstiele ein, minieren diesen und fressen sich Richtung Wurzelhals. Diese Frassgänge bilden Eintrittspforten für Phoma oder Wasser, welches im Winter gefriert und zu starken Auswinterungsschäden führen kann.
Um dies zu vermeiden, ist der beste Behandlungszeitpunkt dann, wenn bei hohem Befallsdruck eine Behandlung zur Eiablage ca. Mitte/Ende September gemacht wird. Die Schadschwelle liegt hier bei 80 % der Pflanzen mit mehreren Frassstellen und mehr als 100 Fänge pro Gelbschale in 3 Wochen. Auch sehr effizient ist eine spätere Larvenbehandlung ca. Mitte/Ende Oktober im 6-8 Blattstadium. Die Schadschwelle wurde für diese Situation "auf 7 von 10 Trieben mindestens eine Larve" definiert. Grosser Vorteil von einer späten Behandlung ist, dass das kühlere Wetter im Oktober die Wirksamkeit bzw. Wirkungsdauer der Pyrethroide deutlich verbessert. Resistenzen auf die eingesetzten Pyrethroide sind beim Rapserdfloh auf dem Vormarsch. Deshalb ist ein umsichtiger Umgang beim Einsatz von Pyrethroiden zwingend notwendig.
Beim Einsatz von Pyrethroiden ist unbedingt zu beachten, dass die Einhaltung von Abstandsauflagen zum Schutz vor Abdrift in Gewässer eingehalten wird. Die Abstände können je nach Produkt 20, 50 oder 100m betragen. Unter Anwendung der Weisung Abdrift und Abschwemmung des Bundes (BLW) kann dieser Abstand reduziert werden. Die Weisung ist unter www.liebegg.ch (Fachwissen – Pflanzenschutz - Dokumente) oder direkt auf der Homepage des BLW zu finden. Ausserdem müssen neu im ÖLN ein Punkt Abschwemmungsauflage erreicht werden, wenn die Parzelle eine grössere Neigung als 2% in Richtung entwässerten Strassen oder Wegen aufweist. Dasselbe gilt im ÖLN für Parzellen mit einer Neigung von mehr als 2% gegenüber Oberflächengewässern bzw. kann dann auch eine höhere zulassungsbedingte Punktzahl erforderlich machen. Die zulassungsbedingte Punktzahl wird bei der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels bestimmt. Dies ist auf der Etikette als sogenannter Spe3 – Satz gekennzeichnet. Spe steht für Sicherheitshinweis in Bezug auf die Umwelt. Massnahmen zur Erreichung der notwendigen Punkte können z.B. ein begrünter Streifen oder pfluglose Bodenbearbeitung sein. Details dazu finden sich ebenfalls in der erwähnten Weisung des Bundes (BLW).
Schneckenkontrollen sind sehr wichtig. Pro Hektare und Jahr darf 700g Wirkstoff Metaldehyd eingesetzt werden und der Abstand zwischen zwei Behandlungen muss 2 Wochen betragen. Bei einer maximalen Aufwandmenge von 7 kg bei Schneckenkörnern (mit einem 5%-Metaldehydgehalt) kann somit zweimal gestreut werden.
Vorsicht bei pflugloser Getreidesaat nach Mais
Der pfluglose Anbau von Winterweizen und Triticale nach Mais beinhaltet grosse Risiken bezüglich Fusarien und ihrer Mykotoxine. Gerste und Korn sind weniger anfällig. Die Infektion der Getreidepflanzen erfolgt über Ernterückstände, vor allem kontaminiertes Maisstroh. Wenn möglich sollte auf gute Resistenzeigenschaften der Sorten gegenüber Fusarien geachtet werden. Die beste Massnahme ist das gute Zerkleinern und Häckseln der Stoppeln und des Maisstrohes oder eine saubere Pflugfurche - beides fördert die Verrottung, dem Fusarienpilz wird die Lebensgrundlage entzogen. Zudem kann mit dieser Massnahme der Maiszünsler effektiv bekämpft werden.
07.09.2023 / Andi Distel, Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg


