Biodiversität in der Landwirtschaft und im Siedlungsraum
Der öffentliche Vortrag über die Biodiversität, organisiert durch den Bezirksverein Thierstein und den Bäuerinnen und Landfrauenverein Lüsseltal, lockte rund 160 Personen in den Konzertsaal Büsserach.
Die Referenten Edgar Kupper, Geschäftsführer Solothurner Bauernverband und Koni Gschwind, Gärtnermeister und Vorstandsmitglied Pro Natura, referierten schwerpunktmässig zum Thema Biodiversität. Kupper zeigte auf, dass die Landwirtschaft seit der Einführung des Ökologischen Leistungsnachweis Mitte der 1990 Jahren die Biodiversitätsflächen (BFF) auf rund 23% der Landwirtschaftlichen Nutzfläche ausgedehnt haben; gesetzlich vorgeschrieben sind deren 7%. Dieser Prozess gehe weiter und die modernen Anbautechniken machen es möglich, Hilfsstoffe noch viel gezielter einzusetzen und die Umweltauswirkungen dadurch markant zu reduzieren. Kupper betitelte das Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft Kanton Solothurn als Erfolgsmodell und wesentlicher Treiber der Förderung der BFF in Kanton. Der Grundsatz des freiwilligen Mitmachens beim Programm und der Abschluss von Vereinbarungen, heute sind es deren 2'500, sei der Schlüssel zum Erfolg und werde in diesem Sinne von der Land- und Forstwirtschaft stark mitgetragen. Der Geschäftsführer SOBV veranschaulichte anhand eines Vergleichs des Milchproduktionspotentials einer extensiv bewirtschafteten Wiese gegenüber einer intensiv geführten Biokunstwiese, dass bei den BFF- Massnahmen nicht der Batzen und das Weggli zu haben ist.
Biodiversität bedeutet für die Landwirtschaft Verzicht auf Ertrag sowie Mehraufwand und Leistung zu Gunsten der Natur und deren Vernetzung. Die spezifisch ausbezahlten Direktzahlungen für die BFF Flächen sind mehr als gerechtfertigt und das Anreizsystem funktioniert gut.
Dass auch im Ackerbaugebiet ein Nebeneinander von Nahrungsmittelproduktion und Biodiversitätsförderung sehr gut möglich ist, zeigte Kupper anhand eines Videos auf. Zum Schluss begründete der Geschäftsführer SOBV die vom Vorstand des Solothurner Bauernverbands einstimmig gefasste Nein- Parole zur Biodiversitätsinitiative, welche am 22. September 2024 zur Abstimmung gelangt. Der Bauernverband will keinen hoheitlich, gesetzlich diktierten massiven Ausbau der Schutzflächen, welche die Landbesitzer auf einer Fläche von rund 30% faktisch enteignet. Die Branche will die Weiterentwicklung der BFF wie bis anhin mittels freiwilligen Vereinbarungen und die Weiterführung des erfolgreich eingeschlagenen Weges.
Zum Thema Natur im Siedlungsraum referierte Koni Gschwind anhand sehr vieler Bilder von Gärten, Friedhöfen, Parkplätzen, Hausumschwung und Freizeitplätzen. Er zeigte auf, was alles die Biodiversität negativ beeinflusst und mit welchen Massnahmen die Biodiversität in den Gemeinden, bei den Haus- und Gebäudebesitzern gefördert werden kann. Gschwind erläuterte, dass die urbanen Flächen wachsen und immer mehr Grünflächen wegfressen. Durch das verdichtete Bauen geht innerhalb des Siedlungsraums immer mehr Grün und so auch immer mehr Lebensqualität verloren. Koni Gschwind kritisierte den vorherrschenden Sauberkeitsdrang der Gesellschaft. Würde dieser etwas gedrosselt und in den Gärten mehr Unordnung zugelassen, keine Pestizide gespritzt und auf monotonen Rasen verzichtet, könnte viel bewirkt werden. Blumenwiesen, Vogelhecken, Wildblumen und Strukturen wie Holzhaufen, Steinhaufen, Sandinseln und Totholz können im Garten als gestalterische Elemente wirken. Gleichzeitig bieten sie Nahrung und viel Wohnraum für allerlei Tiere. Mit vielen Bildern und guten Beispielen veranschaulichte das Referat von Koni Gschwind «Biodiversität im Siedlungsraum», wie die Gärten und die Gemeindeflächen als Lebensraum für die Artenvielfalt aufgebaut werden können und so einen Beitrag leisten gegen das Artensterben.
11.04.2024 / SOBV


