Erfolgreiche Rehkitz-Rettung in Kleinlützel
Rehmütter setzen ihre Jungen oft in Wiesen, wo ihnen der Mähtod droht. Durch gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jagdverein sowie ausgeklügelter Methode konnten in diesem Jahr in Kleinlützel viele Rehkitze gerettet werden.
Von Mitte Mai bis Ende Juni standen Mitglieder des Jagdvereins Blauenstein und freiwillige Helfer oft im Einsatz, um Rehkitze vor dem Mähtod zu retten. Koordiniert werden diese aufwändigen Aktionen von Wolfgang Stich, Landwirt und Drohnenpilot. Der Präsident des Vernetzungsprojekts mit 16 Kleinlützler Bauernbetrieben, welches auch die Rehkitzrettung beinhaltet, hat sich vor rund fünf Jahren zum Drohnenpiloten ausbilden lassen, um sich künftig für die Rehkitzrettung einzusetzen. Dem Jagdverein Blauenstein war das schon zuvor immer ein wichtiges Anliegen. «Früher boten wir auf Ankündigung des Mähtermins am frühen Morgen zehn bis fünfzehn Personen auf, durchliefen das Gras und übersahen viele Rehkitze trotzdem», erklärt Marcel Wyser, Präsident des Jagdvereins Blauenstein.
Mit der Einführung der Methode mit Drohne und Wärmebildkamera aus rund 70 Metern Höhe wurde das Verfahren optimiert und vereinfacht. «Nebst dem Drohnenpiloten müssen heute nur noch drei bis vier Personen morgens um vier Uhr aufstehen», sagt Wyser. Das am Vorabend zum Mähen angemeldete Landstück wird von der Drohne abgesucht und die so geordeten Rehkitze von den bereitstehenden Helfern unverzüglich mit einer Holzkiste abgedeckt und mit einem Wimpel markiert. «Drei bis vier Stunden hat dann der Bauer Zeit, das Stück zu mähen, damit die schützende Harasse wieder entfernt werden kann. Dauerts länger, droht die Gefahr, dass die Rehmutter ihr Kitz verstösst.
«Nahezu flächendeckend wird die Rehkitzrettung hier ernst genommen und die Mähtermine werden fristgerecht bis 17 Uhr am Vorabend angemeldet», windet Koordinator Wolfgang Stich den Kleinlützler Landwirten ein Kränzchen. So können die nötigen Personen aufgeboten und die Aktion am darauffolgenden Morgen zwischen vier und halb fünf Uhr organisiert werden. Die zu mähende Fläche wird am Vorabend zudem noch durch den Bauern mit so genannten Verblendungsfahnen markiert, die das Setzen durch die Rehmütter in der betreffenden Wiese minimieren. Rund 170 Hektaren wurden in diesem Frühjahr in insgesamt 70 Arbeitsstunden mit zwei Drohnen abgeflogen. Eine zweite Drohne wird seit zwei Jahren zugemietet und von einem weiteren ausgebildeten Piloten gesteuert. Der Erfolg lässt sich sehen: «Zwischen dem 15. Mai und Ende Juni konnten dieses Jahr in Kleinlützel 26 Rehkitze gerettet werden, drei wurden leider trotzdem vermäht», wie Wolfgang Stich zu Protokoll gibt.
Gestellter Einsatz: Wolfgang Stich steuert die Drohne, Marcel Wyser, Präsident Jagdverein Blauenstein (r.), und Sarah Zuber, Vertreterin des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Thierstein, verfolgen die Szene.
12.07.2023/ Martin Staub


