Feldbeobachtungen Pflanzenschutzfachstelle KW 18
Der Regen kam flächendeckend, setzte aber so langsam ein, dass die trockenen Böden das Wasser gut aufnehmen konnten. Lesen Sie hier, was im Feld aktuell passiert.
Getreide: Schutz des Fahnenblattes
Die Getreidefelder präsentieren sich in den meisten Fällen sehr gesund. Die Gerste befindet sich im Stadium DC 37 «Fahnenblattspitze sichtbar» bis DC 51 «Beginn Ährenschieben». Der Weizen ist teilweise auch schon im DC 37 oder erst im 2-Knoten Stadium (DC 32). Vielerorts konnte auf eine frühe Fungizidbehandlung verzichtet werden. Wo noch nicht passiert, steht jetzt der Schutz des Fahnenblattes im Vordergrund.
Bevor man die Behandlung durchführt, sollte eine Feldkontrolle gemacht werden (drei oberste voll entwickelte Blätter von 40 Halmen). Bei der Kontrolle ist es hilfreich zu wissen, welche Krankheiten in den letzten Tagen gefördert wurden. Mehltau wurde mit dem Regen zurückgedrängt, da vorhandene Mehltaupusteln abgewaschen werden. Diese müssen sich zuerst neu bilden. Mit der vorhandenen Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen 18-22°C kann dies jedoch innert wenigen Ta-gen passieren. Im Weizen ist Mehltau eher ein Problem als in der Gerste, wo sich mit zunehmen-dem Alter der Pflanzen eine bessere Resistenz aufbaut. Gelbrost wurde noch nicht gefunden. Dieser bevorzugt kühlnasse Witterung zwischen 10-15°C. In anfälligen Sorten sind in den kommenden Tagen Kontrollen angezeigt. Mit den Regenspritzern verbreiten sich die Sporen von Spitz- und Netzflecken in der Gerste und Septoria im Weizen auf höhergelegene Blattetagen. Bis Symptome sichtbar werden, können über zwei Wochen verstreichen. Zum Ermitteln der Bekämpfungsschwel-le von Septoria zählt nur das viertoberste Blatt. Sie ist bei 20% befallener Blätter überschritten.
Eier von Getreidehähnchen wurden an diversen Orten gefunden, Larven bis jetzt aber noch nicht. Eier und Larven werden mit dem Regen vielfach abgewaschen, so dass bis jetzt noch keine Behandlung nötig ist. Kontrollen sind ab DC 39 angezeigt, die Schadschwelle liegt bei 2 Larven pro Halm.
Zuckerrüben
Der Erdflohdruck hält sich in diesem Jahr in Grenzen. Zuckerrüben müssen noch bis ins 4-Blatt Sta-dium kontrolliert werden. Die Schadschwelle liegt bei 80% der Pflanzen mit Schabstellen im 2-4 Blatt Stadium. Mit der Feuchtigkeit wurden auch Schnecken wieder aktiv. Kontrollen sollten jetzt in allen Frühlingskulturen gemacht werden.
In einer Parzelle wurde die erste geflügelte Blattlaus gesichtet. Es handelte sich um die schwarze Bohnenblattlaus. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei der schwarzen Blattlaus bei 50% befallener Pflanzen im 4-6 Blatt Stadium. In den Zuckerrüben ist jedoch die grüne Pfirsichblattlaus weitaus gefürchteter. Sie gilt als Hauptüberträgerin des Vergilbungsvirus, welches letztes Jahr vor allem im westlichen Anbaugebiet weit verbreitet war. Aus diesem Grund überwacht die Pflanzenschutz-fachstelle die Verbreitung dieser grünen Blattläuse. Wird die Bekämpfungsschwelle überschritten, erfolgt von der Rübenfachstelle aus eine regionale Warnung per SMS oder über die App BetaSwiss. Auf Betrieben, welche in den Zuckerrüben Insektizide einsetzen dürfen, sind seit diesem Jahr ne-ben Pirimicarb die Wirkstoffe Acetamiprid und Spirotetramat bewilligt zur Blattlausbekämpfung. Vor dem Einsatz von Mitteln mit Acetamiprid muss eine Sonderbewilligung eingeholt werden. Es wird empfohlen, ein Spritzfenster anzulegen, um den Bekämpfungserfolg überprüfen zu können. Falls Sie grüne Blattläuse finden sollten, bevor eine Warnung ausgerufen wurde oder Unsicherheiten bei der Bestimmung bestehen, melden Sie sich unverzüglich bei der Pflanzenschutzfachstelle am Wallierhof (032 627 99 72).
06.05.2021/ BZ Wallierhof, Gaetano Mori


