Grosser Ackerlandverschleiss beim geplanten Hochwasserschutzprojekt Dünnern
20 Hektar bestes Ackerland gehen den Bach hinunter
Das vom Kanton Solothurn geplante Grossprojekt «Hochwasserschutz Dünnern» ist mit einem Verlust von bestem Ackerland von rund 20 Hektar verbunden. Würde auf dieser Fläche Brotweizen produziert, könnte mit dieser Menge die Versorgung des Brotbedarfs der ganzen Bevölkerung von Egerkingen das ganze Jahr hindurch sichergestellt werden. Aus Sicht des Landwirtschaftlichen Bezirksverein Gäu - Untergäu und des Solothurner Bauernverbands ist das Projekt überdimensioniert und mit viel zu viel Landverschleiss verbunden. Es geht weit über den reinen Hochwasserschutz hinaus und das notabene in einem Gebiet, in welchem sich seit der Dünnernkorrektion keine Hochwasserschäden verursacht durch die Dünnern ereignet haben. Die Bewohner im Dünnerngäu haben seither nie nasse Füsse durch ein Hochwasserereignis erhalten! Das geplante Projekt nimmt kaum Rücksicht auf den immensen Landverschleiss der letzten Jahre in der Gäuebene und auch nicht auf noch kommende bodenverbrauchende Bauvorhaben. Anstatt sich an einem der Region angepasstem Minimum an Hochwasserschutzmassnahmen zu orientieren, werden noch zusätzliche landfressende Renaturierungsmassnahmen, sogenannte Hotspots, in die Planung aufgenommen. Die Landwirtschaft ist nicht grundsätzlich gegen eine Förderung der Ökologie, aber die qualitativ besten und sehr hochwertigen Böden dafür zu opfern, zeugt aus unserer Sicht von einer komplett unverständlichen Gewichtung und falschen Priorisierung der wichtigsten Werte. Zudem werden von Seiten der Agrarpolitik in den kommenden Jahren weitere Biodiversitätsfördermassnahmen auf Ackerflächen erzwungen, welche jeder Betrieb zu erfüllen hat und somit die Inlandproduktion pflanzenbasierter Nahrung weiter schrumpfen lässt.
Für die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe und die Bäuerinnen und Bauern der Region Gäu sind beide geplanten Varianten viel zu gross dimensioniert. Viele Bäuerinnen und Bauern stellen sich auch klar auf den Standpunkt, dass das Hochwasserschutzprojekt Dünnern gar nicht nötig ist und das Ganze zu heiss gekocht wird, das heisst, durch Angstmacherei ein viel zu gross dimensioniertes Projekt durchgeboxt werden will. Beide Planungsvarianten sind mit einem hohen Landverlust von bestem Ackerland verbunden. Je nach Variante ist die Betroffenheit der Bauernbetriebe unterschiedlich. Der Bezirksverein Gäu - Untergäu und der Solothurner Bauernverband erwarten von der Planungsbehörde, dass das Hochwasserschutzprojekt Dünnern Gäu redimensioniert wird und eine Planungsvariante «Hochwasserschutz light», welche die besonderen Verhältnisse in der Gäuebene berücksichtigt, ausgearbeitet wird. Es mag sein, dass Defizite beim Hochwasserschutz vorhanden sind, diese sind aber mit einem verhältnismässigen Projekt zu lösen. Dabei ist auf ausufernde Renaturierungsmassnahmen mit zusätzlichem Landverschleiss zu verzichten und die Dimensionierung des Hochwasserschutzprojekts auf ein Minimum zu beschränken. Der pflanzenbasierten Nahrungsmittelproduktion ist jener Stellenwert beizumessen, welcher er aufgrund der globalen Nahrungsmittelknappheit und der unsicheren globalen Entwicklung auch verdient, nämlich einen sehr hohen. Landverschleiss muss vom Kanton im Sinne der ganzen Gesellschaft unbedingt verhindert werden.
02.06.2022, BVGUG/SOBV


