Unwetterschäden
Die letzten 20 Tage sind geprägt von starken Regenfällen und heftigen Gewittern mit Hagel, was im ganzen Lande zu Überschwemmungen und Unwetterschäden führte. Besonders betroffen ist auch die Landwirtschaft, die durch die Regenmengen und den Hagel grosse Ernteausfälle verzeichnet. Besonders heftig traf das Unwetter Ende Juni den Ort Messen.
«Ich war in den Ferien, als ich per WhatsApp über das Geschehene in Messen erfuhr», erklärt Stefan Wyss, Bauer aus Messen, während der Fahrt über die Flurwege, um das Ausmass der Schäden an den Kulturen zu begutachten. Der grosse Schaden entstand am Montag, den 28. Juni, als ein Hagelzug mit Körnern von ca. 1-2 cm Durchmesser vorbeizog. Dieser hatte eine derart starke Intensität, dass die Gerste und der Hafer gedroschen, die Zuckerrüben- und Kartoffelblätter zerschlagen und der Mais bis auf den Stängel verkleinert wurde. «Meine Grossmutter sagte, selbst sie hätte ein solches Unwetter noch nie gesehen», ergänzt Wyss.
Starker Regen
Doch nicht nur der Hagel vom 28. Juni ist für die Kulturschäden verantwortlich. Hinzu kamen Unmengen an Regen, welche die Limpach (Bach) seither bereits zweimal über die Ufer treten liessen. Der hohe Wasserstand beeinträchtigte zudem die Funktion der Drainagesysteme. «Das Wasser wird in die Felder zurückgedrückt», so Wyss. Folglich stehen auch zu jetzigem Zeitpunkt viele Teile des Kulturlandes unter Wasser. Stefan Wyss ist froh, seine Kulturen gegen Hagel abgesichert zu haben. Die Schadenabschätzung durch den Experten fand in den letzten Tagen statt. «Beim Mais wurden 100 % Ertragsausfall geschätzt», so Wyss, und weiter: «Bei den Zuckerrüben sind es 90-100 %, bei der Gerste 95 %. Etwas schwieriger Einzuschätzen ist der Ausfall bei den Kartoffeln. Dieser dürfte aber auch 80 % betragen. Knollen, die länger als einen halben Tag unter Wasser standen, werden allesamt verfault sein.» Wyss betont weiter, dass der durch den Hagel verursachte starke Blattverlust dazu führt, dass die Kartoffelknollen und die Zuckerrübenwurzeln Energiereserven für die Neubildung von Blattmasse freisetzen, wodurch sich die Zucker- bzw. die Stärkegehalte in den Knollen und Wurzeln verringern. Nebst dem Ertrag leidet somit auch die Qualität. «Man kann sagen, dass es den Weizen und das Gras am wenigsten stark getroffen hat», erklärt Wyss abschliessend über das Schadenausmass.
Beim Kaffee nach der Flurbegehung stossen der Cousin von Stefan Wyss, Daniel Wyss und dessen Vater Konrad Wyss dazu. Mit dabei das Tagebuch von Konrad Wyss und seiner Frau. Konrad Wyss zählt die darin notierten und auf dem Betrieb gemessenen Regenmengen seit anfangs Juni zusammen. Nur beim 28. Juni stand nichts. «Der Regenmesser überlief an jenem Abend. Aber es fielen sicher 60 bis 70 mm Regen und Hagel innert kürzester Zeit», so Konrad Wyss. Nach dieser Annahme wären im Monat Juni gut 200 mm Niederschlag gefallen. Im Juli zählt Konrad Wyss knapp 100 mm. Die Zahlen bestätigt die Wetterstation im nahegelegenen Hessigkofen, registriert auf der Webseite von Meteo Schweiz. Demnach fielen im Juni 213.8 mm und im angebrochenen Julimonat bereits 110.2 mm Niederschlag. «Alleine am 13. Juli fielen 55 mm Niederschlag», erwähnt Stefan Wyss. Im bernischen Dorf Mülchi, der Nachbarsgemeinde von Messen prasselten von Montagmittag bis Mittwochmorgen 121 mm Regen nieder – soviel wie nirgends in der Schweiz in diesen Tagen.
Hoffen auf sonnige Tage
Wie es mit der Bewirtschaftung der Felder weiter geht, ist für die Bauern am Tisch noch nicht ganz klar. Bis Freitagmorgen wird wohl auch noch keine Wetterbesserung in Sicht sein. «In den nächsten 14 Tagen werden die unter Wasser stehenden Felder nicht befahrbar sein», ahnt Stefan Wyss und ergänzt: «Dies verunmöglicht auch eine Neuansaat des Maises, was wir anfangs Juli noch in Betracht gezogen haben. Der Mais muss zugekauft werden. Was und wie viel es zu ernten gibt, weiss ich zurzeit auch noch nicht. In gewissen Feldern wird es keine Ernte geben. Entsprechend stellt sich dort dann die Frage, was als Folgekultur angebaut wird.» Bei den Familien Wyss wie auch vielen anderen Bauernfamilien der Schweiz bleibt nun die Hoffnung auf baldige, sonnige und warme Sommertage.
15.07.2021/ Adrian Kohler


