Wachstumswahn im Gäu
Der Kanton Solothurn hat mit den Richtplananpassungen 2022 Grosses vor. Unter anderem will er sehr flächenwirksamen Bauprojekten, namentlich Logistikunternehmen, welche auf einen Schlag über 25 Hektar bestes nicht eingezontes Ackerland verbrauchen, den Weg ebnen für eine schnelle Realisierung.
Klare Stellung
Der Solothurner Bauernverband (SOBV) hat in enger Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Bezirksverein Gäu- Untergäu im Rahmen der Vernehmlassung zur öffentlichen Auflage des Richtplanverfahrens klar Stellung bezogen. Für den SOBV ist ein sehr haushälterischer Umgang mit dem fruchtbaren Boden oberstes Gebot, um eine möglichst hohe Inlandversorgung mit Nahrungsmitteln auch in Zukunft sichern zu können.
Verdichtung
Die Erweiterung des Gebäudeparks muss in erster Linie auf bereits bestehendem Industrie- und Gewerbeareal erfolgen. Dies soll mittels Verdichtung und optimierter Nutzung der bereits versiegelten Flächen geschehen. Als gutes Beispiel beim laufenden Richtplanverfahren kann die geplante Erweiterung des Coop Verteilzentrums auf dem Areal Husmatt in Rickenbach/Wangen bei Olten herangezogen werden. Diese Erweiterung ist auf bereits bestehendem Areal geplant. Mittels Verdichtung und besserer Ausnutzung kann das geplante Projekt ohne zusätzlichen Bodenverschleiss realisiert werden.
25.23 Hektar Fruchtfolgeflächen
Die anderen Vorhaben, die Erweiterung der Migros, des Transportunternehmen Murpf und der Post werden auf der grünen Wiese geplant und es soll auf einen Schlag 25.23 Hektar Fruchtfolgeflächen eingezont und verbraucht werden. Der SOBV lehnt diese Vorhaben dezidiert ab. Die ersten Stellungnahmen von Regierung und den involvierten kantonalen Amtsstellen lassen leider vermuten, dass kaum Forderung an diese riesigen Bauvorhaben gestellt werden. So hat die Regierung in einer frühen Phase verlauten lassen, diese Unternehmen seien systemrelevant für die Versorgung der Bevölkerung. Und im Richtplanentwurf 2022 steht der Satz: „Angesichts der zentralen Lage und der guten Erschliessung durch das Nationalstrassennetz weist der Kanton Solothurn an verschiedenen Orten Gunstlagen für güterintensive Anlagen (Logistiknutzung) auf“. Der SOBV verlangt in seiner Stellungnahme die Streichung dieses Satzes. Im Sinne einer fairen Interessensabwägung zwischen der Produktion von pflanzenbasierter Nahrung und der Ansiedlung von flächenintensiven Logistikunternehmen hat dieser Satz bei den Standortkriterien im Richtplan nichts verloren. Er würde eine faire und seriöse Interessensabwägung zum vornherein aushebeln. Der Solothurner Bauernverband ist froh, dass die Bedenken gegenüber der stark forcierten und überhitzten Ansiedelung von Logistikunternehmen im Gäu auf der grünen Wiese nun auch bei Gemeindevertretern, bei der Gäuer Bevölkerung und bei Politikern wachsen.
Kritische Fragen
Kritische Fragen nehmen zu und die Ablehnung gegenüber der Wachstumsstrategie des Kantons in der Region Gäu machen die Runde. So haben die Gäuer Gemeindevertreter kürzlich die Frage in die Runde geworfen, wer ihnen bei der Finanzierung der durch das schnelle Wachstum erforderlichen Infrastruktur mithelfen würde! Offenbar ist der Nutzen des überhitzten Wachstums doch nicht so gross für die öffentliche Hand, weder für die Gemeinden noch für den Kanton. Es lohnt sich auf alle Fälle, die angedachte schnelle Erweiterung des Logistiksparks im Gäu und im ganzen Kanton Solothurn noch einmal zu überdenken, die richtigen Prioritäten zu setzen und entsprechende Forderungen an Grossprojekte zu stellen!
25.7.2023 / Edgar Kupper, Geschäftsführer Solothurner Bauernverband


